So lässt sich Nachhaltigkeit messen – Best Practice SAP

Wie lässt sich der ökonomische, ökologische und soziale Beitrag von Unternehmen messen und bewerten? Damit beschäftigt sich die Value Balancing Alliance (VBA) – ein Zusammenschluss aus Unternehmen mit dem gemeinsamen Ziel, ihren Beitrag für die Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt transparent und vergleichbar zu machen. Die VBA verwendet die Methode der Impact Valuation, die es Unternehmen ermöglicht, ihren Beitrag in monetäre Einheiten zu übersetzen und die daraus resultierenden Werte für ihr Controlling und ihre Berichterstattung zu nutzen. Neben der Erfüllung rechtlicher Anforderungen liefert die Impact Valuation somit wertvolle Ergebnisse zur Unternehmenssteuerung. WifOR unterstützt die VBA als wissenschaftlicher Sparringspartner bei der methodischen Konzeption globaler Nachhaltigkeitsstandards. Darüber hinaus berät WifOR mehrere Mitglieder der Initiative bei der Umsetzung der Methode zur Impact Valuation unter anderem auch SAP. Im Interview spricht Thomas Birnmeyer, Chief Expert and Senior Director for Global Sustainability bei SAP, über das gemeinsame Projekt.

So lässt sich Nachhaltigkeit messen - Best Practice

Was waren die zentralen Themen, mit denen Sie WifOR beauftragt haben?

Thomas Birnmeyer: Als Mitglied der Value Balancing Alliance (VBA) standen wir vor der Frage, wie wir die von der Initiative empfohlene Methode zur Bewertung von ESG-Indikatoren bei SAP umsetzen können. Für die Berechnung der Upstream-Effekte, sprich die Auswirkungen, die bei unseren Zulieferern entstehen, liegen uns nicht ausreichend Primärdaten vor. Daher wussten wir, dass wir auf Branchenwerte und Input-Output-Analysen zurückgreifen müssen. Um diese Datenlücken zu schließen, beauftragten wir WifOR als wissenschaftlichen Sparringspartner. WifOR unterstützt uns seitdem bei der Modellierung der Wirkungsmessung und -bewertung unserer Zulieferkette.    

Können Sie uns die Milestones des Projektes skizzieren?   

Der erste Milestone unseres Projektes war die Scope-Definition. In dem Zuge legten wir fest, welche der VBA-Indikatoren für SAP wesentlich sind und wie wir diese weiterentwickeln können – zum Beispiel Bruttowertschöpfungoder „Trainings“. Anschließend erhoben wir die internen Daten, die WifOR für die Weiterverarbeitung benötigte. Im dritten Schritt ging es um die eigentliche Berechnung und Datenmodellierung. Hier ermittelte WifOR die VBA-Indikatoren entsprechend der VBA-Methodenpapiere für die Lieferkette. Der finale Schritt war die Interpretation und Präsentation der Ergebnisse.

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An welchen Stellen kommen die Ergebnisse im Unternehmen zum Einsatz?   

Unser Projekt befindet sich derzeit noch im Pilotstatus. Unser Anspruch ist, dass wir nicht nur bestehende und kommende rechtliche Anforderungen erfüllen, wie beispielsweise CSRD oder Due Diligence, sondern dass die Ergebnisse in die aktive Unternehmenssteuerung eingebunden werden. Das ist unser mittel- und langfristiges Ziel. Teilweise kommen die Ergebnisse aber auch bereits heute zum Einsatz: So setzten wir mithilfe von WifOR die Prozesse für die SAP-interne Datenerhebung zur Impact Bemessung neu auf und verbesserten unsere Berechnungsmethoden. Dadurch erreichten wir insgesamt eine höhere Ergebnis- und Reportingqualität, was uns dabei half, den Mehrwehrt und die Bedeutung von Impact Valuation aufzuzeigen – sowohl intern als auch extern.

Erste Ergebnisse finden sich zudem in unserem Integrated Report 2020. Zum Beispiel ermittelten wir die Treibhausgasauswirkungen in der Lieferkette der SAP. Die negativen Auswirkungen der Treibhausgasemissionen wurden mit 182 Mio. € beziffert, was uns bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich der Umsetzung zur CO2-Reduzierung geholfen hat. 

Unser Anspruch ist, dass wir nicht nur die rechtlichen Anforderungen erfüllen, sondern dass die Ergebnisse der Impact Valuation in unsere Unternehmenssteuerung eingebunden werden. Das ist unser mittel- und langfristiges Ziel.
Was ist Ihr wichtigstes Learning, seitdem Sie das Projekt gestartet haben?
  

Insgesamt gab es sehr viele hilfreiche Learnings. Ein Thema, in dem wir sehr große Fortschritte gemacht haben, ist die Definitionen der verschiedenen VBA-Indikatoren. Es war sehr wertvoll die Methodik hinter der Bewertung der einzelnen Umwelt- und Sozialauswirkungen zu verstehen. Erst so konnten wir verstehen welche Parameter letztendlich für den gemessenen Impact entscheidend sind.  

Welches Feedback haben Sie während und nach Abschluss des Projektes in Ihrem Unternehmen bekommen, intern und extern?  

Wir erhalten viel positives Feedback, dass wir die finanzielle Berichterstattung sinnvoll um den nichtfinanziellen Teil ergänzen – und das können wir nur, wenn wir diesen in die gleiche Sprache übersetzen. Die Impact Bemessung, die wir gemeinsam mit WifOR umsetzen, ist ein wichtiges Puzzlestück davon. Bedeutend ist auch das interne Feedback: Unser CFO hat entschieden, dass wir diese Methode der Impact Bewertung Zug um Zug und in die Unternehmenssteuerung aufnehmen. Und das ist das entscheidende, denn nur, wenn wir aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen ableiten, können wir etwas verändern. 

Welche weiteren Schritte planen Sie in Zukunft?  

In den nächsten Jahren werden wir die VBA-Indikatoren anhand der mit WifOR erarbeiteten Methodik kontinuierlich messen und bewerten. Reporting ist die Pflicht, diese Ergebnisse aber in die Unternehmenssteuerung einfließen zu lassen ist das wirklich Entscheidende. Daher soll Impact Valuation für SAP so weit entwickelt werden, dass die Methode nach und nach unternehmensweit zum Einsatz kommt und abteilungsübergreifend in die Entscheidungsprozesse integriert wird.

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