Von Vielfalt als Treiber für Wertschöpfung bis hin zur Digitalisierung als Motor für Produktivität – die Daten zeigen, wie Organisationen Wettbewerbsvorteile aufbauen können.
die neue Bundesregierung steht vor der Herausforderung, Deutschland aus der wirtschaftlichen Stagnation zu führen. Von Steuererleichterungen bis hin zu strengeren Migrationsregeln – die geplanten Maßnahmen werden die Arbeitswelt und den Zugang zu Chancen verändern.
Welche Schritte sind nötig, damit wirtschaftliches Wachstum Hand in Hand mit Chancengerechtigkeit geht und die Erwerbsbevölkerung den Weg aus der Rezession aktiv mitgestaltet? Von Vielfalt als Treiber für Wertschöpfung bis hin zur Digitalisierung als Motor für Produktivität – aktuelle Daten und Analysen zeigen, wo Handlungsbedarf besteht und wie Organisationen Wettbewerbsvorteile aufbauen können.
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Politik im Fokus: Ein Blick auf Deutschlands Vorhaben
Die neue Union-SPD-Regierung hat mehrere arbeitsmarktbezogene Themen auf die Agenda gesetzt: darunter Mindestlohn, Bürgergeld, Migration und Produktivität. Gleichzeitig bleibt die Arbeitslosigkeit hoch, während Jüngere und Ältere geringere Wiedereinstiegschancen haben – das zeigt der aktuellste, von WifOR berechnete FR-Arbeitsmarktindex.
Als Teil des Tagesspiegel-Expert:innenpanels habe ich zentrale arbeitsmarktpolitische Pläne der Koalition analysiert. Mein Fazit: Eine Erhöhung des Mindestlohns würde die Chancengerechtigkeit fördern, während Restriktionen bei der Migration soziale Spaltungen vertiefen und den Fachkräftemangel verschärfen könnten. Die Artikel und Einordnungen finden Sie hier.
Ein weiterer entscheidender Aspekt fairer Politik ist Repräsentation. Wie ich in einem Beitrag für die WELT hervorgehoben habe, spiegeln die Bildungs- und Berufsbiografien der Parlamentarier:innen die Erwerbsbevölkerung nur unzureichend wider. Das erschwert es, Entscheidungen mit starkem Realitätsbezug zu treffen.
Sozial-ökologische Transformation: Für die grüne Wende braucht es Fachkräfte
Um die Netto-Null-Ziele Deutschlands zu erreichen, benötigen Großprojekte – etwa der Ausbau der Solarenergie – einen zentralen Rohstoff: qualifizierte Fachkräfte.
Als Teil des Kompetenzzentrums für die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) untersucht WifOR Institutein einer mehrjährigen Studienreihe die Rolle des Arbeitsmarktes und entwickelt Lösungen für bestehende Fachkräfteengpässe.
Ein aktueller Befund: Für die energetische Modernisierung des Wohngebäudebestands werden bis zu 450.000 Fachkräfte benötigt. Abhilfe schaffen könnten gezielte Weiterqualifizierung bestehender Mitarbeiter:innen und eine stärkere Verlagerung von Investitionen auf Regionen mit mehr Kapazität.
Ebenso analysiert WifOR die Arbeitskräftebedarfe für Wasserstoff-Ausbauprogramme in Ostdeutschland. Die Studie im Auftrag der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) wird in den kommenden Wochen veröffentlicht.
Integration, Digitalisierung und bessere Bedingungen: Die Erwerbsbevölkerung stärken
Auch das Gesundheitswesen leidet unter Fachkräftemangel. Hürden für Beschäftigte abzubauen, ist daher von zentraler Bedeutung. Eine interdisziplinäre Fallstudie zu Hamburg, im Auftrag der städtischen Sozialbehörde, zeigt konkrete Maßnahmen, wie Organisationen dringend benötigte internationale Fachkräfte gewinnen, binden und unterstützen können:
Verbesserte Arbeitsbedingungen: beispielsweise durch flexible Personalmodelle.
Digitalisierung: nutzerfreundliche Tools und effiziente Prozesse, die administrative Aufgaben erleichtern.
Integration: von Sprachtrainingsbis zur Unterstützung bei Bürokratie und Wohnungssuche.
Attraktiv für internationale Fachkräfte sind Unternehmen, deren Kultur von Respekt und Anerkennung geprägt ist – und die in einem Umfeld agieren, das sie willkommen heißt.
Vielfalt ist kein Randthema – viele Beschäftigte fühlen sich gestresst und in Schubladen gesteckt
Herausforderungen, die internationale Mitarbeitende häufig erleben – etwa Benachteiligung am Arbeitsplatz –, betreffen laut aktuellen WifOR-Daten auch andere unterrepräsentierte Gruppen. Daher kommt die Förderung eines respektvollen und inklusivenUmfelds allen zugute – insbesondere, da die Belegschaft oft weitaus vielfältiger ist, als viele vermuten würden.
Um die Effekte von Diversity, Equity & Inclusion (DEI) auf die psychische Gesundheit und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Mehrwert für Gesellschaft und Arbeitgeber zu untersuchen, arbeitet WifOR mit derHans-Böckler-Stiftung aneiner umfassenden Studie. Erste repräsentative Befragungen zeigen:
Mit steigender Hierarchieebene nimmt die Vielfalt ab – zum Beispiel sind Frauen oder Angehörige nichtchristlicher Religionsgemeinschaften in Führungspositionen seltener vertreten.
Eine:r von fünf Beschäftigten fühlt sich von Vorgesetzten oder Kolleg:innen in Schubladen gesteckt.
Ein Drittel beschreibt den Job als sehr belastend undjede:r Vierteringt mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Diese Befunde sind eng mit dem Wohlbefindenverknüpft. Umfangreiche Forschungbelegt: Gesunde Beschäftigte sind motivierter und produktiver – und reduzieren Fehlzeiten sowie Fluktuation.
Erfahren Sie mehr dazu bei LABOR.A, der hybriden Konferenz der Hans-Böckler-Stiftung, am 1. Oktober. Registrieren Sie sichhier.
Deutschlands (und Europas) Zukunft hängt maßgeblich von der Arbeitskraft der Bevölkerung ab
Bessere Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass Beschäftigte ihr Potenzial entfalten können – was zugleich die Wirtschaft stärkt. Doch was geschieht, wenn nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen?
Angesichts zunehmender Fachkräfteengpässe, verschärft durch den demografischen Wandel, müssen Organisationen in Europa Talente dort gewinnen, wo sie verfügbar sind. Deshalb entwickelt WifOR eine europaweite Arbeitsmarktdatenbank – mit berufs- und branchenspezifischen Informationen sowie regionalen Prognosen.
Auf Grundlage dieser Daten können Unternehmen erkennen, wo Fachkräfte verfügbar sind, welche Investitionen damit verbunden sind und welche Produktivität sie erzielen. Zusätzlich simulieren Modelle die Auswirkungen umfangreicher Neueinstellungen auf die Personalkosten. Dies unterstützt Organisationen bei Standort- und Personalplanungen und schafft die Grundlage für langfristige, gute Beschäftigung.
Kurz gesagt: Arbeitsmarktpolitik sollte Effizienz und Chancengleichheit zusammen denken. Von der internationalen Fachkräftegewinnung bis zu fairen Arbeitsbedingungen – Daten können helfen, eine Zukunft zu gestalten, in der wirtschaftliches Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gehen.
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