FR-Arbeitsmarktindex: Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt auf 1,04 Mio.

Die Folgen der Pandemie sind auf dem Arbeitsmarkt weiter spürbar. Das zeigt die jüngste Aktualisierung des FR-Arbeitsmarktindex (FRAX), den WifOR für die Frankfurter Rundschau berechnet. Im ersten Halbjahr 2021 waren durchschnittlich 1,04 Millionen Menschen langzeitarbeitslos. Das sind rund 290.000 Menschen mehr als im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2020. Der FRAX fiel im zweiten Quartal 2021 auf 108 Punkte – ein Rückgang von 0,6 Punkten im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Aktueller Arbeitsmarktindex FRAX: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt auf 1,04 Millionen

Der deutsche Arbeitsmarkt leidet auch im zweiten Quartal 2021 an den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zwar sind heute etwa 100.000 Beschäftigte mehr zu verzeichnen als noch vor einem Jahr, doch gerade die Langzeitarbeitslosigkeit wird zunehmend zu einem Problem. Dabei entwickelte sich die Beschäftigung im zweiten Quartal positiv: Die Zahl der Arbeitslosen ging zurück, gleichzeitig stieg die Zahl der Erwerbstätigen und auch bei den geleisteten Arbeitsstunden stand ein deutliches Plus. Das reichte jedoch nicht, um den FRAX auf Wachstumskurs zu bringen.

Über den FRAX

Der FR-Arbeitsmarktindex (FRAX) ist eine Neuentwicklung der Frankfurter Rundschau und WifOR. Er wurde in enger Abstimmung zwischen Journalist:innen und Wissenschaftler:innen erarbeitet. Grundgedanke des Arbeitsmarktindex ist, dass die Arbeitslosen- und Erwerbstätigenzahlen allein keine sinnvolle Bewertung des deutschen Arbeitsmarktes ermöglichen. Es kommt ebenfalls auf die Qualität der Arbeit an, darauf, dass die Menschen von ihrem Lohn leben können, dass Jugendliche gut ausgebildet werden und dass auch Ältere oder Langzeitarbeitslose Chancen haben, eine Stelle zu finden.

Die Kategorien 

In fünf Kategorien analysiert der FRAX deshalb den deutschen Arbeitsmarkt. Dazu gehören die Beschäftigungsentwicklung, die Zugangschancen, die Einkommensentwicklung, die Ausbildung sowie die Arbeitsbedingungen. Hinter jeder Kategorie verbergen sich mehrere Indikatoren. Ein Indikator ist zum Beispiel die Entwicklung der Reallöhne (in der Kategorie Einkommensentwicklung), ein anderer die emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen (Kategorie Arbeitsbedingungen).  

Beschäftigungsentwicklung

Hier werfen die WifOR-Arbeitsmarktexpert:innen einen generellen Blick auf die Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Kategorie erfasst die Zahl der Erwerbstätigen, den Gesamtbestand an Arbeitslosen, das Verhältnis zwischen ausschließlich geringfügig Beschäftigten und in Vollzeit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie die in Deutschland insgesamt geleisteten Arbeitsstunden.

Zugangschancen

Diese Kategorie analysiert, wie gut die Chancen bestimmter Bevölkerungsgruppen auf Zugang zum Arbeitsmarkt sind. Sie enthält die Langzeitarbeitslosenquote, die Zahl der Arbeitslosen unter 25 und über 54 Jahren, ihre Wiedereingliederungsquote sowie den Anteil der Frauen an allen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen.

Ausbildung 

Ein guter Ausbildungsmarkt entscheidet über die Zukunftschancen der jungen Menschen und der deutschen Wirtschaft. Die Kategorie umfasst die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, das Verhältnis zwischen Ausbildungsplatzangebot und Ausbildungsplatznachfrage sowie die Quote der Azubis, die nach Ausbildungsende von ihrem Unternehmen übernommen wurden.

Einkommensentwicklung

Diese Kategorie zeigt, wie sich die Einkommen in Deutschland entwickeln. Zu den Indikatoren zählen die Reallohnentwicklung, die Verdienstunterschiede zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen, die Zahl der Arbeitnehmer:innen, die ihre Löhne aufstocken müssen, sowie die Entwicklung des Arbeitnehmer:innenanteils am Volkseinkommen zu dem auch die Einkommen der Unternehmer und Kapitaleigner zählen.

Arbeitsbedingungen

Entscheidend im Alltag der Arbeitnehmer:innen ist auch, unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Die Indikatoren Arbeitsunfähigkeitstage (zum Beispiel Krankschreibung wegen psychischer Probleme infolge von Stress), Arbeitsunfälle (Sicherheit am Arbeitsplatz) und emotionale Verbundenheit zum Unternehmen geben darüber Auskunft.

Datenlage

Die Ergebnisse basieren auf Daten des statistische Bundesamtes, der Bundesagentur für Arbeit (BA), des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der BA, des Bundesinstituts für berufliche Bildung, des wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen, der gesetzliche Unfallversicherung sowie des Meinungsforschungsinstituts Gallup. Das Startjahr des FRAX ist 2007, da für einige Indikatoren erst ab diesem Jahr Daten verfügbar sind. Der FRAX wird vierteljährlich berechnet und veröffentlicht. 

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